Source based Routing

23. Mai 2010 at 10:00

Mit 2 IP-Adressen in 2 Netzen unterwegs: Source based Routing

In größeren Download-Clustern hat der Administrator häufig den Wunsch, über einen zweite Uplink auch dann administrativen Zugriff auf die Rechner zu erhalten, wenn der erste Uplink gerade mal voll gelaufen ist.

So trivial der Wunsch klingt, es genügt nicht, einfach eine zweite Netzwerkkarte zu kaufen, diese mit dem Router zu verbinden und eine IP-Adresse zu vergeben. Denn hier spielt das Routing des Servers eine große Rolle.

Üblicherweise entscheidet ein System anhand der ZIEL-Adresse wohin ein Paket geschickt wird. Wird also auf dem zweiten Interface eine IP-Adresse konfiguriert werden zwar eingehende Pakete dort empfangen, sofern der Absender aber nicht im gleichen Netz sitzt wird die Antwort über den Default-Gateway – und damit den vollen Link – zugestellt.

Um das zu verhindern gibt es unter Linux die Möglichkeit, eine weitere Routing-Table mit einem Default-Gateway im zweiten Netz einzurichten.


ip route add table 6 default via ${GATEWAY-AUF-ETH1}

Die Table 6 benutze ich weil sie frei ist, könnte hierfür aber jede andere freie Table benutzt werden. Notfalls mit ‚ip route show table 6‘ vorher prüfen, ob die Table benutzt wird. Nun muss per Regel noch festgelegt werden, dass die Source-Adresse von eth1 auch durch diese Routing-Table geschickt wird:


ip rule add table 6 from ${IP-AUF-ETH1}

Gehen wir also davon aus, dass wir auf der zweiten Netzwerkkarte das Netz 203.0.113.0/30 konfiguriert haben (Gateway: .1, unser System: .2). Dann würden die Kommandos wie folgt lauten:


ip route add table 6 default via 203.0.113.1
ip rule add table 6 from 203.0.113.2

Und schon werden alle Pakete, die von 203.0.113.1 kommen an das Gateway 203.0.113.2 (also die 2. Netzwerkkarte) geschickt.

 

OpenVPN einrichten

1. Februar 2010 at 10:00

Im Artikel SSH-Tunnel: Proxy über SSH habe ich bereits über die Möglichkeit eines „Pseudo-VPNs“ berichtet. Nun will ich zeigen, wie man mit der Software OpenVPN ein einfaches Point-to-Point VPN einrichten kann.

Ziel soll es sein, auf einem Server OpenVPN so zu installieren, dass es auf einem UDP-Port eine verschlüsselte Verbindung entgegennimmt. Als Client benutze ich dazu unter Windows die Software OpenVPN-Portable, da diese gleich die GUI mit dabei hat und darüberhinaus auch auf dem USB-Stick mitgenommen werden kann.

Eine einfache Steuerung von Serverdiensten ohne die Dienste dabei frei im Internet erreichbar zu haben, wie es Maxe im SSH-Tunnel Thema ansprach, ist damit sehr einfach möglich.

Zuerst installieren wir den Server, was unter Debian oder Ubuntu mit einem einfachen `apt-get install openvpn` geschieht. Danach in /etc/openvpn alle Beispiele löschen und im gleichen Verzeichnis mit `openvpn –genkey –secret server.key` eine Keydatei anlegen, die künftig als Passwort zum VPN dient. Vor dem Neustart des Servers (/etc/init.d/openvpn restart) sollte mit `modprobe tun` noch das Tunnel-Device unter Linux angelegt werden.

Nun ist noch die Server-Konfiguration zu erstellen. Hier schlage ich folgenden Inhalt für die server.conf vor:

mode p2p                          # Connection Mode: Point-2-Point
dev tun                           # Device: Tunnel

proto udp                         # Protocol (udp/tcp-server/tcp-client)
port 1194                         # Listen port

secret server.key                 # Secred "password" file

ifconfig 10.1.75.1 10.1.75.2      # local ip <-> remote ip

ping 10                           # Keepalive ping every 10 seconds
ping-restart 60                   # Reconnect after 60 seconds of no answer
ping-timer-rem                    # Restart ping only if we have a remote ip
persist-key                       # Don't re-read key files across ping-restart
persist-tun                       # Don't reopen TUN/TAP across ping-restart

user root                         # Systemuser
group nogroup                     # Systemgroup

verb 3                            # Give some more informations (default: 1)
log-append /var/log/openvpn.log   # Logfile

Auf der Client-Seite (Windows) ist OpenVPN Portable von der Sourceforge Projektseite (http://sourceforge.net/projects/ovpnp/) herunterzuladen und zu entpacken. Im Ordner data/config ist dann das Keyfile vom Server (und zwar genau das gleiche!) sowie die Konfiguration abzulegen. Diese ender unter Windows mit .ovpn, als Dateiname empfielt sich den Namen des Servers zu wählen, also z.B. meinserver.opvn. Das File könnte so aussehen:

mode p2p                          # Connection Mode: Point-2-Point
dev tun                           # Device: Tunnel

proto udp                         # Protocol (udp/tcp-server/tcp-client)
remote meinserver.de 1194         # Server address and port
nobind                            # Do not bind any fixed port

secret hostname.key               # Secred "password" file

ifconfig 10.1.75.2 10.1.75.1      # local ip <-> remote ip

ping 10                           # Keepalive ping every 10 seconds
ping-restart 60                   # Reconnect after 60 seconds of no answer
ping-timer-rem                    # Restart ping only if we have a remote ip
persist-key                       # Don't re-read key files across ping-restart
persist-tun                       # Don't reopen TUN/TAP across ping-restart

# Use this only if you want to change your default routes!
# redirect-gateway def1             # change default gateway
# dhcp-option DNS 8.8.8.8           # set DNS resolver in the new network

# When having problems with vista use this options:
# route-method exe
# route-delay 2

Damit haben wir alles Konfiguriert. Startet man OpenVPN Portable nun und erlaubt die Installation der Tunnel-Netzwerktreiber, so kann das VPN zum Server sofort gestartet werden. Nach dem Start findet man ein neues Netzwerk-Interface mit der Adresse 10.1.75.2, welcher auf der Seite des Servers endet. Der Server kann nun direkt über die VPN-Adresse 10.1.75.1 angesprochen werden.

Sollte das nicht klappen könnte eventuell noch eine lokale Firewall schuld sein. Wir sollten erstmal Pakete zum OpenVPN-Server sowie Pakete vom tun-Interface durchlassen:

iptables -A INPUT -m udp -p udp --dport 1194 -j ACCEPT
iptables -A INPUT -i tun+ -j ACCEPT

Wenn alles klappt kann man sich überlegen, ob man mit der Verbindung nur den Server erreichen will oder auch gleich alle Routen darüber schicken möchte, um z.B. mit der IP-Adresse des Servers online zu sein.

Um alle Routen beim Verbindung umzubiegen sind in der Client-Config die beiden auskommentierten Zeilen redirect-gateway sowie die dhcp-option einzufügen. Ausserdem muss dem Server klargemacht werden, dass er nun für das Routing zuständig ist und die privaten IP-Adressen auch gleich per NAT auf seine eigene umschreiben soll:

# Routing & Masquerade aktivieren
sysctl -w net/ipv4/ip_forward=1
iptables -t nat -A POSTROUTING -s 10.1.75.0/24 -o eth0 -j MASQUERADE

Nach dem Neuverbinden sollte man nun über den Server und mit dessen IP-Adresse im Internet hängen. Mit dem Link https://www.butschek.de/tools/ip/ kann man das schnell und einfach prüfen.

Bash: Automatisches Logout

22. Oktober 2009 at 22:01

So, seitdem ich seit Mitte Juli nur Windows-Artikel veröffentlicht habe, hier auch mal wieder was für die Linux-Gemeinde:

Als Serveradmin kennt man ja das Problem, dass man gerne mal auf einem System angemeldet bleibt, weil man vielleicht später eh noch was sehen will. Doch manchmal wünscht man sich ein Auto-Logout, wenn man längere Zeit nichts macht, um nicht immer eine Session offen zu halten.

Die Bash wertet die Variable TMOUT aus. Enthält sie eine Zahl größer als Null, so wird nach so vielen Sekunden Inaktivität die Shell automatisch beendet. Dies läßt sich relativ leicht z.B. in der .bashrc setzen, so dass die Einstellung bei jedem neuen Login automatisch aktiv ist:

export TMOUT=1800   # 30m

Vorsicht ist bei niedrigen Werten geboten. Wer es dummerweise mit 5 Sekunden versucht muss sich beim nächsten Login beeilen, den Editor zu öffnen, bevor er rausfliegt :-)